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Verantwortung der Städte zur Klimaanpassung

Die Grün- und Freiräume in Städten – private Gärten und öffentliches Grün zusammen – haben eine enorme Bedeutung mit Blick auf Lebensqualität, Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung. Dabei sind die Erwartungen an diese Flächen in Städten unterschiedlich, je nach lokaler Situation und räumlichen Möglichkeiten reicht das Spektrum von historischen Gärten über Spiel- und Sportplätze, Parks, Friedhöfe bis hin zu kommunalen Wäldern und naturnahen Uferflächen.

Der Druck auf die Freiräume in Städten steigt in jüngster Zeit erheblich. Gründe sind vor allem demographische Veränderungen. So wächst der Bedarf nach neuem Wohnraum, es zeigt sich eine erhöhte Nutzungsintensität der Freiflächen durch mehr Menschen, und auch in qualitativer Hinsicht verändern sich die Erwartungen an den Freiraum. Beispielsweise gewinnen Barrierefreiheit, Sitzgelegenheiten, schattenspendende Elemente oder auch sicherheitsrelevante Lichtinstallationen bei einer älter werdenden Gesellschaft zunehmende Bedeutung.

Knappe Budgets

In den Kommunen ist die Haushaltslage angespannt. Viele Städte und Gemeinden sehen keine Möglichkeit, zusätzliche finanzielle Mittel für Freiräume einzusetzen. Im Gegenteil: Oftmals müssen die zuständigen Ämter Einsparungen erbringen, was in der Regel zu Einschränkungen bei der Pflege der Flächen führt. Zur Erhaltung der Qualität von Parkanlagen, Plätzen, Boulevards und Ähnlichem sind unter diesen Voraussetzungen Innovation, Kreativität, sinnvolle Ressourcenbündelung und mancherorts auch Querfinanzierung aus anderen Ressorts oder durch Einwerbung von Spenden oder Sponsoring gefragt. „Wir wollen den Verantwortlichen in Städten und Gemeinden Mut machen, dass sie ihre Freiräume und Grünflächen als Chance sehen und nicht als Problem. Das grüne Kapital der Städte ist heute wichtiger denn je und erfüllt eine Vielzahl an Aufgaben, die für eine gesunde und wirtschaftlich erfolgreiche Stadtentwicklung existenziell sind“, so Helmut Selders, Präsident des Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. und engagierter Befürworter für mehr und besseres Grün in Städten.

Bewusstsein schaffen und Know-how nutzen

Im Zuge der Anpassung an den Klimawandel können Grünflächen einen wertvollen Beitrag leisten: Beispielsweise können nicht versiegelte Grünräume als Wasserspeicher dienen, Schutz vor Überschwemmungen bieten, die Temperatur regulieren und zur Verringerung der Luftverschmutzung beitragen. Selders: „Wir setzen uns auf politischer Ebene dafür ein, dass die Verantwortlichen in den Grünflächenämtern der Kommunen besser ausgestattet werden und ihre Leistungen interdisziplinär auch wertgeschätzt werden. Es geht um ein starkes Bewusstsein für den Wert von Grünräumen auch in anderen Ressorts der kommunalen Verwaltung und in der Öffentlichkeit.“ In jüngster Zeit werden bundesweit, aber auch in anderen europäischen Ländern, verstärkt Anstrengungen unternommen, um die Leistungen von Grünflächen an die geänderten Bedingungen anzupassen und zu optimieren. So werden zum Beispiel neue Baumarten und verbesserte Pflanzkonzepte erprobt oder auch alternative Lösungen für die Dach- und Fassadenbegrünung entwickelt. Selders: „Basis für eine nachhaltige, grüne Stadtentwicklung ist immer die fachgerechte Pflanzenverwendung. Die rund 1.000 im Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. organisierten Betriebe stehen den Kommunen vor Ort mit Wissen und Erfahrung bezüglich der Verwendung von Bäumen und Sträuchern zur Seite.“

Grüne Infrastruktur entwickeln

Im Rahmen der Biodiversitätsstrategie 2020 will die EU das Potential der Grünen Infrastruktur nutzen, um den Biodiversitätsverlust in Europa einzudämmen. Hierbei handelt es sich um eine konkrete Anwendung des Konzepts der Ökosystemleistungen in der Politik. Bereits im Mai 2013 veröffentlichte die EU-Kommission eine Strategie zur Förderung des Einsatzes Grüner Infrastruktur in Europa. Der Begriff hat sich in kürzester Zeit etabliert und wurde in Deutschland insbesondere auch in die jüngere Debatte zur Stadtentwicklung eingebracht. Dabei geht es um weit mehr als Artenvielfalt. Kommunen nutzen die Grüne Infrastruktur unter anderem zur Stadtklimatologie und zum Hochwasserschutz, zur Gesundheitsförderung, Naturbildung, Integration oder zum sozialen Ausgleich. Die vielfältigen Aspekte sind im „Grünbuch Stadtgrün „Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Zukunft“ vom Sommer 2015 zusammengefasst. Im darauf aufbauenden Weißbuch, das aktuell unter Federführung des Umwelt- und Städtebauministeriums erarbeitet wird, sollen konkrete Vorschläge und Empfehlungen für praktische Maßnahmen und Strategien zur Entwicklung der Grünen Infrastruktur festgehalten werden. Selders: „Wir haben seitens der grünen Verbände in Positionspapieren Vorschläge gemacht und erhoffen uns aus dem für das Frühjahr 2017 angekündigten Weißbuch eine deutliche Verbesserung der Situation von Städten und Gemeinden.“

Aus dem Grünbuch Stadtgrün (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, Mai 2015, S.93):

„Urbane Grüne Infrastruktur umfasst die Gesamtheit städtischen Grüns und beinhaltet somit ganz unterschiedliche Grünstrukturen mit vielfältigen Leistungen und Funktionen. Sie ist neben der sozialen, kulturellen und technischen Infrastruktur für die Stadtbewohner Teil kommunaler Grundvorsorge. Städte und Städter brauchen Grüne Infrastruktur, denn sie ist ein physischer, psychologischer, emotionaler und sozialer Faktor für das Wohlbefinden des Individuums und der Gesellschaft. Grün ist aber auch von hohem sozioökonomischem Wert, sei es als Standortfaktor, für die Stadtgesellschaft, für Sport und Erholung, für die Immobilienwirtschaft… Die Grüne Infrastruktur stellt eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung dar, welche von Politik, Zivilgesellschaft und privaten Akteuren gemeinsam angegangen werden muss.“